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Wir brauchen eine Kita-Exit-Strategie!

Überforderte Kitas befeuern bei vielen Eltern die Idee, die Betreuung in Selbstverantwortung zu organisieren.


Karl-Heinz van Lier, Präsident der Stiftung für Familienwerte


Ein halbes Jahrhundert stetiger und hoher Geburtenmangel haben Deutschland einen massenhaften Fachkräftemangel beschert. Anstatt die Folgen zu bedenken, hat eine zukunftsvergessene Politik in all den Jahren einen überdimensionierten teuren und vor allem personalintensiven Sozialstaat installiert. Dieser vorsorgende Sozialstaat verspricht seinen Bürgern bis heute, sie von der Wiege bis zur Bahre möglichst ganztägig zu betreuen und zu versorgen. Wie wir alle wissen, ist dieser längst an seiner Leistungsgrenze angelangt.

In der Kita-Betreuung der unter Dreijährigen, die mit einem elterlichen Rechtsanspruch versehen ist, können vielfach Mindestanforderungen für eine Qualitätssicherung nicht mehr erfüllt werden. Und dies ausgerechnet in Krippen und  Kitas, die inzwischen als Bildungseinrichtung firmieren. Sie sollen gar der elterlichen Erziehung überlegen sein, was im Einzelfall zutreffen, aber generell angezweifelt werden kann. Reduzierte Öffnungszeiten der Kitas sind längst keine Ausnahmen mehr. Schließungen der Einrichtungen, wegen eines hohen Krankenstands der Erzieherinnen, häufen sich. Kitas stehen in der Gefahr, zu reinen Aufbewahrungsstätten zu verkommen. Verlierer sind alle Beteiligten: Eltern,  Erzieherinnen und, nicht zu vergessen, das Kleinkind, das häufig dem Unmut  der Beteiligten ausgesetzt ist, was wiederum zu einer – für die Entwicklung  schädlichen – überhöhten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führt.

Keine schöne Zukunft für die Kinder

Aus Rödermark (Hessen) meldete sich eine Betreuerin bei der Stiftung für Familienwerte mit folgendem Hilferuf, in dem sie die Lage schildert: „Ich bin mit der momentanen Situation als Erzieherin mehr als unglücklich und auch ein Stück weit überfordert. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Sondern gerade alle Erzieherinnen in Deutschland keinen Spaß mehr an ihrem Beruf haben. Es ist nicht mehr das, was es mal war. Durch die totale Unterbesetzung, mehr und mehr Kinder mit besonderen Bedürfnissen, sind wir kaum noch Herr der Lage. Eltern sind unzufrieden mit der Betreuung ihres Kindes. Was auch verständlich ist. Denn der Kindergarten, brennt‘ und die Erzieherinnen auch. Es fühlt sich an wie viele tausende kleine Feuer, die man alleine löschen muss. Besonders extrem wird es jetzt in der Herbstzeit, wo zusätzliche Erzieherinnen krankheitsbedingt fehlen. Es ist ein Teufelskreislauf. Es herrscht negative Stimmung und die Kinder der Zukunft leiden darunter.“

Sie schreibt weiter: „Alleine wenn ich Ihnen den heutigen Tag beschreiben würde, würden Sie vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wenn die Eltern das wüssten, würden sie ihre Kinder vermutlich am liebsten nicht mehr bringen. Und auch ich würde morgen am liebsten nicht mehr zur Arbeit gehen. Ich möchte etwas ändern! Ich alleine werde wohl kaum Millionen von Erzieherinnen finden und die Kindergärten wieder so mit Personal füllen, sodass ab morgen jedes Kind gerecht, pädagogisch, mit viel Geduld und dem, Ich bin für dich da‘-Gefühl erzogen wird. Denn sonst sehe ich für diese Kinder keine schöne Zukunft – und auch eigene Kinder würde ich in der momentanen Situation kaum in einen Kindergarten geben.“

Die Anzahl der Erzieherinnen wird trotz finanzieller Anreize sinken: Die Politik verkennt die fatalen Folgen und Zusammenhänge der demografischen Entwicklung, die uns schon heute eine Situation von 100.000 fehlenden Erzieherinnen beschert. Diese Zahl wird in den kommenden Jahren noch ansteigen, weil bis 2030 fünf Millionen Babyboomer in den Ruhestand gehen, die zum großen Teil nicht ersetzt werden können. Erschwerend für den Arbeitsmarkt kommt hinzu, dass eine große Anzahl von ihnen schon vorzeitig aus dem Berufsleben auszusteigen gedenkt. Wobei hier noch nicht der Effekt einer stark rückläufigen Attraktivität des Berufsbildes Erzieherin eingespeist ist, das von Stress und Überforderung gekennzeichnet ist.

Krippenkinder von Migranten benötigen intensivere Betreuung

Zudem werden Krippenkinder von zugewanderten Migranten hinzukommen, die im Regelfall einer intensiveren Betreuung bedürfen. Dessen ungeachtet weitet die Politik unbeirrt den Anreiz für einen Kitaplatz durch Beitragsfreiheit und längere Betreuungszeiten mitsamt Verpflegung aus. Es fehlen laut Bertelsmann Stiftung bereits in diesem Jahr 384.000 Kitaplätze. Aber auch die Anzahl der Tagesmütter ist begrenzt. Grundsätzlich bleibt festzustellen: würde der Staat Elterngeld bis zum dritten Lebensjahr finanzieren, dann würde der Mangel an Kitaplätzen und Erzieherinnen weitaus geringer ausfallen.

Als Alternative zu dieser Lage ist daher eine Exit-Strategie erforderlich: Da sich die Rahmenbedingungen für die Betreuung von Kleinkindern in Kitas mittelfristig noch weiter verschlechtern werden, empfiehlt die Stiftung für Familienwerte den jungen Eltern – zumal dort, wo die Kita nicht einmal dem pädagogischen Mindeststandard entspricht –, die Delegierung der Verantwortung für die Kinderbetreuung an die Krippe rückgängig zu machen und diese selbst in die Hand zu nehmen. Für die Eltern ist dies ohne Zweifel ein folgenschwerer Schritt. Er bedeutet den Abschied vom lieb gewordenen Automatismus des staatlich hoch subventionierten Ganztagesbetreuungspakets und verlangt eine gänzlich neue Selbstorganisation ihres Privat- und Arbeitslebens. Er setzt Kreativität in der Suche nach alternativen Lösungen voraus, verursacht in vielen Fällen eine finanzielle Einschränkung und macht eine Vernetzung mit Gleichgesinnten, dem Freundeskreis, den Nachbarn und der Familie erforderlich. Und tatsächlich nimmt die Zahl Kita-freier Familien zu.

Der Aspekt, dass Krippenkindern viel zu lange Trennungszeiten von der Familie zugemutet werden, findet in der Diskussion um Kitabetreuung kaum Berücksichtigung, obwohl Ökonomen, Pädagogen und Psychotherapeuten schon längst die Krippenbetreuung als gefährlich anprangern, weil diese sozial-emotionale Auffälligkeit verursache. Vermehrte Betreuung in der Familie würde dieser Überbelastung der Kleinkinder entgegenwirken. Dabei sollten Eltern den Staat nicht aus seiner Verpflichtung entlassen: Sie stellen heute fest: Der Staat kann eine verlässliche, qualitativ hochwertige Betreuung nicht mehr leisten. Damit wäre es nur konsequent, wenn Eltern mit einem adäquaten finanziellen Ausgleich in Form eines erweiterten Elterngeldes rechnen könnten. Zumal der Verdienstausfall eines Elternteils durch diesen Rechtsanspruch verursacht wird. Im Zivilrecht spricht man von Mängelhaftung. Nicht zu vergessen ist der positive Effekt der Entlastung für überforderte Kitas, wenn ein Teil der Eltern ihre Kinder von der Kita-Betreuung abmelden würden.

Weitergabe von Familienwerten

Ein weiterer Grund könnte in den für Kitas empfohlenen zukünftigen Bildungsinhalten liegen. Diese sehen eine von der WHO betriebene und vom Gesundheitsministerium übernommene Frühsexualisierung der Kinder vor. Schließlich: Bald werden viele Babyboomer in den Ruhestand treten. Diese Großeltern könnten ihre neu gewonnene Freizeit in die Betreuung ihrer Enkel investieren. Dieses verstärkte Engagement könnte für beide Seiten ein Gewinn sein und den Familienverband stärken. Zudem würde sie das leisten, was eine Kita nicht kann, nämlich die Weitergabe von Familienwerten.


















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