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Werteerziehung - unsichtbare Ritterrüstung der Resilienz

Charakterbildung auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes


Autorin: Gilla Frank


Wer die Inhalte der letzten Sonderbeilagen im Kopf hat, wird nicht daran zweifeln, dass die Rahmenbedingungen, unter denen Kinder heute groß werden, herausfordernd sind. Wir sind konfrontiert mit einer Welt ohne Gottesbezug, einer Umkehrung von Werten, ja einer Verdrehung des gesamten Denk- und Bewertungsrahmens, der die Gesellschaft im Ganzen an Grenzen  führt:

Eine politische Zeitenwende im Umgang mit der Familie und ihren schwächsten Mitgliedern, unseren Kindern, liegt in weiter Ferne.

 

Als wir im Jahr 2015 beschlossen haben, das internationale Werterziehungsprogramm „alive to the world(www.alivetotheworld.org), im deutschsprachigen Raum „leben lieben lernen“ (www.wertevo llwachsen.de), zu veröffentlichen, waren uns die Gefahren eines zunehmenden Werterelativismus und der Entgrenzung in einer permissiven Welt längst bewusst und Antrieb für unsere Entscheidung. Die Rasanz dieser Entwicklung war allerdings nicht vorauszusehen. Dies zu erkennen, nicht zu verzweifeln oder noch schlimmer... einfach wegzuschauen, ist die Aufgabe der Stunde. Die Tendenz, Erziehung immer mehr aus dem Elternhaus weg zu verlagern, führt zusammen mit dem katastrophalen Bildungsnotstand an vielen Schulen zu einem Erziehungsdefizit der nachfolgenden Generation. Das hat sich schon lange ange-bahnt, wird aber jetzt in erschreckendem Ausmaß sichtbar. Hier gilt es, zu handeln und sich bewusst zu machen:

Wir können als Eltern viel tun und haben nicht nur ein Recht, sondern auch die Pflicht, die Seelen unserer Kinder zu schützen!

Wir wissen, dass psychisch labile Kinder besonders anfällig sind für zeitgeistige Tendenzen, die z.B. mit Identitätssuche und Suchterkrankungen in Verbindung stehen.

Wenn wir sie also stärken wollen, ohne sie unter eine Käseglocke zu stellen, müssen wir sie resilient machen. Aber was heißt das genau? Es ist schnell nachzulesen, dass resilient zu sein bedeutet, ein starkes ‚mentales Immunsystem’ zu haben mit dem man Krisen nicht nur leichter bewältigen, sondern auch gestärkt aus Ihnen hervorgehen kann. Resiliente Menschen sind verwurzelt in einem bindungsorientierten Umfeld und gehen mit einer optimistischen Grundhaltung durchs Leben. Wer würde das nicht für seine Kinder wünschen?

Im Tieferen ist Resilienz oder psychische Widerstandskraft eine Haltung des Herzens, die erlernt werden kann und in echter innerer Freiheit gegründet ist.  Dies erfordert eine Formung des freien Willens. Dies ist ein lebenslanger Prozess und kann gut gelingen auf der Grundlage einer fundierten Persönlichkeitsbildung und eines familiären Hintergrundes, den man als gelebte Familienkultur beschreiben könnte.

Es gibt sie ja noch, diese Familien, die stark und widerstandsfähig gegenüber einem unseligen Zeitgeist sind. Aber was ist das Geheimnis eines gelingenden Familienlebens, in dem Kinder zu einer reifen Persönlichkeit heranwachsen?

 

Schon vor 40 Jahren war unsere Autorin, Christine Vollmer, davon überzeugt, dass der Zerfall von Familien und die Entfremdung von den Eltern eine der Hauptursachen für die Probleme junger Menschen sei und  hat begonnen, nach neuen Methoden für die Erziehung von Kindern zu suchen.

Ala Mutter von 7 Kindern und Präsidentin der lateinamerikanischen Allianz für die Familie hat sie ein Team von Lehrern, Psychologen und Sozialwissenschaftlern zusammengestellt, die in Rückkoppelung   mit Eltern, Kindern und Jugendlichen diese Buchreihe entwickelt haben.

Die Wegmarken dieser mehr als 20jährigen Forschungsarbeit können hier nur kurz überrissen werden.

 

Neben der Einbeziehung aller relevanten Ergebnisse aus Anthropologie, Hirnforschung und

Erziehungswissenschaften ist  die Entstehung der positiven Psychologie zu erwähnen , die zur Abkehr der Defizitorientierung führte und  wieder Charakterstärken in den Vordergrund stellte. Daraus erwuchs im angelsächsischen Raum der Begriff der leadership ability, einer Entwicklung von soft skills, denen beruflich teils größere Bedeutung zugemessen wird als akademischer Erfolg.

Walter Mischels berühmtes „Marhmallow – oder Stanford Experiment“ wird ebenfalls jedem Pädagogen bekannt sein, hat er doch nachgewiesen, dass Kinder, die gelernt haben, zu warten und nicht alles sofort zu bekommen, später eine deutliche größere Frustrationstoleranz haben und leistungsfähiger sind.

Nun zu den großen Ideen der Transzendenzfähigkeit des Menschen, die unseren Kindern ein tieferes Verständnis des Menschseins eröffnen und auf denen unser Lernprogramm ebenfalls basiert, zu der Arbeit von Viktor Frankl und Johannes Paul II.

Der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl hat mit der Begründung der sinnzentrierten Psychotherapie (Logotherapie) ein Konzept entwickelt, was man als Hinordnung der Person auf Lebenssinn und Werte bezeichnen könnte. Durch seine eigenen Erfahrungen in Auschwitz kam er zu der Erkenntnis, dass das Leben, was auch immer es an Leid bringt, bewältigt werden kann, wenn man weiss, wofür man lebt und sich der letzten Freiheit bewusst ist, die Dinge anzunehmen. Hiermit gilt er als einer der Pioniere der Resilienz-forschung, auch wenn der Begriff damals noch nicht bekannt war.

 

Während bei Viktor Frankl die gegen den Nihilismus gerichtete, aber unmissionarische, seelenärztliche Tätigkeit im Vordergrund stand, hat Johannes Paul II die Grundlagen für eine christliche Anthropologie der Liebe entwickelt.  In der Katechesenreihe der „Theologie des Leibes“ wird die Liebesfähigkeit des Menschen als Gabe gedeutet, die den Menschen vom Ich zum Du führt. Diese Gabe hebt die schenkende, über sich selbst hinausweisende Dimension des Menschen hervor, die seine Würde im metaphysischen Sinn begründet.

Seine moderne, ganzheitliche Deutung des christlichen Menschenbildes bietet einen positiven Blick auf Liebe und Leiblichkeit und ist das Fundament der werteorientierten Sexualpädagogik innerhalb der Buchreihe.

 

Die hier skizzierten Recherchen führten zur Entwicklung einer „Pädagogik der integrierten Persönlichkeit“, die zur Grundlage von „alive to the world“ bzw. „leben lieben lernen“ wurde.

Eine integrierte Person ist ein Mensch, der in einem inneren Gleichgewicht lebt.

Das bedeutet in unserem Bildungsprogramm, dass die körperliche, seelische und geistige Dimension der Kinder wertgeschätzt und zur Entfaltung gebracht werden soll.

 

Der Blick auf die Anforderungen heutiger Bildungsprogramme macht die Unterschiede und Fehlstellen schnell deutlich:

Es wird viel in Bildung, Digitalisierung, Spracherwerb investiert, letztlich sind dies jedoch kognitive Stärken, welche ohne Herzensbildung dann aber wirkungsarm bleiben, wenn  ihnen der emotionale und spirituelle Anteil fehlt. Mit anderen Worten, das eine funktioniert nicht ohne das andere.

 

Diesen Dreiklang der Bildung wollen wir in einem Bild[1] erläutern:


 

Unsere Abbildung zeigt die verschiedenen Handlungsebenen zur Entwicklung einer reifen Persönlichkeit!

 

Der IQ und EQ, Intelligenzquotient und emotionaler Quotient, sind  nicht weiter erklärungsbedürftig.

Auf den spirituellen spirituelle Quotienten möchte ich etwas genauer eingehen:

Der Humus hierfür liegt fraglos in einem liebevollen, warmherzigen Elternhaus mit einer bindungsorienterten Lebenshaltung. Das bedeutet zunächst schlicht und einfach, dass die Eltern Zeit für Ihre Kinder haben. Hierdurch entsteht das Urvertrauen, welches es dem Kind ermöglicht, mit einer positiven Grundhaltung in das Leben hineinzuwachsen.

Eltern sind eine geistliche Autorität für ihre Kinder, die sie im positiven Sinne nutzen können und sollten. Während die kognitiven und emotionalen Stärken bestenfalls auch in guten schulischen Rahmenbedingungen gefördert werden, ist die Frage der Religiosität und spirituellen Ausrichtung in erster Linie eine Frage des Elternhauses im engeren bzw. der Familienkultur im weiteren Sinne. Hier können Glaube, Liebe und Hoffnung wachsen.

 

Um vielfältigen kulturellen Hintergründen gerecht zu werden, ist unsere Buchserie religionsneutral geschrieben und kann individuell durch religionsspezifische Katechese

ergänzt werden.

 

Raphael Bonelli2 , der Wiener Psychiater und Neurowissenschaftler, weist in seinem Buch ‚Weisheit des Herzens’ *darauf hin, dass nach neuesten Forschungen 40 % unseres Verhaltens genetisch determiniert sind.  Weitere 40% sind weitestgehend durch Umwelteinflüsse und Erziehung bestimmt und die restlichen 20% eröffnen die Möglichkeit zur Selbstprägung des Herzens, also der Arbeit am Charakter durch „Veredelung von Kopf und Bauch“2

 

Hierbei können unsere Bücher ein wertvoller Begleiter sein, umfassend, alterssensibel, repetititv und begleitend vom 1.- zum 13. Schuljahr. Warum nicht mit den kleinen Kindern jeden Abend ein Stück lesen und ihnen helfen beim Erkennen und Einordnen des eigenen Ichs im Kontext von Familie, Freundeskreis , Gesellschaft ? Warum nicht mit den Jugendlichen Gespräche anregen anhand der in den Büchern erzählten Geschichten über die universellen und zeitlosen ‚großen Ideen’ der Menschheitsgeschichte, auf deren Schultern wir stehen?

Die Arbeit am Charakter bleibt eine lebenslange Arbeit, die auch uns Erwachsenen nicht erspart bleibt , aber auf 40% dieser Entwicklung können wir durchaus Einfluss nehmen und für die restlichen 20%, die Prägung des Herzens, dürfen wir unseren Kindern den Weg weisen, bis sie ihn alleine gehen können.

 

Nutzen wir die gemeinsame Zeit, die uns mit unseren Kindern gegeben ist. Wenn wir sie auf der Herzensebene erreichen, haben wir beste Chancen, Ihnen Rüstzeug  für eine gelingendes Leben mitzugeben! Warum dieses unsichtbar ist? Weil man nicht von außen sieht, ob ein Mensch Herzensbildung hat, sondern es nur spürt, wenn man mit ihm in Beziehung tritt.

 

Es ist die Aufgabe der Zukunft!



                                              

 

 


























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