Dramatischer Geburtenrückgang trifft auf Ignoranz der Politik
- Stiftung Familienwerte
- vor 4 Tagen
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von KARL-HEINZ B. VAN LIER - Präsident der Stiftung für Familienwerte -

Am 28.4.2026 meldete das Bundesamt für Statistik den niedrigsten Stand der Geburten seit 1946. Von der zuständigen Bundesfamilienministerin Katrin Priem war kein Kommentar zu erwarten zumal sie schon früher der FAZ zu verstehen gab, dass sie rückläufige Geburtenraten als Chance betrachte, um die Qualität in der frühkindlichen Bildung zu verbessern.
Dabei muss man wissen, dass Deutschland seit 1972 unter einer latenten demographischen Schrumpfung leidet, ein verschwiegener und mit „demographischer Wandel“ beschönigter Tatbestand, der in seiner Tragweite weder der Bevölkerung noch der Politik bewusst ist! „Dies ist kein historischer Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen strukturellen Benachteiligung von Familien“, sagt zurecht der Deutsche Familienverband.
Und eine weitere schlechte Nachricht stellt die Prognose dar, dass der Abwärtstrend– so der renommierte Demographieexperte Prof. Herwig Birg – die nächsten Jahre weiter anhalten wird. Spätestens dies müsste ein Weckruf an die schlafende Politik sein, zumal diese Entwicklung einen ungeheuren Verlust an Humankapital darstellt.
Dies weiß auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Fratzscher, der schon in einem Interview vom 17.2.2022 feststellte: "Der Wachstumsmotor in Deutschland wird schon allein wegen der Demographie nie mehr anspringen".
Für Klimaschutz Milliarden, aber Demographie im Leerlauf“
Ein Paradoxon ist der Umstand, dass die Politik den Klimawandel als von Menschen gemacht begreift und Milliarden investiert, um ihn abzuschwächen. Wobei selbst das Bundesverfassungsgericht von der Politik Generationen-gerechtigkeit einfordert.
Anderseits gewinnt man den Eindruck, als würde die Politik den demographische Niedergang quasi als ein nicht weiter zu hinterfragendes Phänomen betrachten. So sprach die ehemaligen Wissenschaftsministerin Annette Schavan schon Jahren vom `demographischen Wandel´, als gäbe es keine Zuständigkeit des Menschen. Wer Verlautbarungen des Bundesinstituts für Bevölkerungswissenschaft prüft, kommt zum gleichen Schluss.
Wobei es im grün-linken Lager eine radikale „geburtenfeindliche“ Auffassung gibt, das Kinderlosigkeit zur Vermeidung von zu vielen ökologischen Fußabdrücken empfiehlt.
Kinderlose erfüllen den Generationenvertrag nur zur Hälfte
Dabei ist die wichtigste Frage einer zukunftsorientierten Politik: die Sicherung der Generationenfolge. Eine Politik, die dies ignoriert, kennt keine Folgenabschätzung und ist damit zukunftsvergessen. Sie „nimmt den Eltern über Steuern und Sozialversicherungen das Schwein vom Hof und gibt ihnen ein Schnitzel zurück“ (Jürgen Borchert). und vermittelt den bewusst Kinderlosen die Illusion, dass ein starker Sozialstaat sie am Ende ihres Lebens pflegen wird. Dies ist eine gefährliche Illusion, weil dieser Sozialstaat zukünftig noch weiter auf ein Minimum zurückgeschnitten werden wird und schon heute nicht über eine ausreichende Zahl von Pflegekräften verfügt. Fazit: Junge Leute von heute nehmen zur Kenntnis, dass Kinderlose die Gewinner dieser Gesellschaft sind!
Geradezu grotesk mutet die Tatsache an, dass Deutschland das einzige Land der Welt ist, das keinerlei Anstrengungen unternimmt, dem demographischen Niedergang mit einer familienfreundliche Politik zu begegnen.
Ganz anders: Frankreich. Dort ist sinkende Geburtenrate kein Naturgesetz. Dort hat die gesunkene Geburtenrate auf 1,67 beim Präsidenten Macron Panik ausgelöst. Er erklärte umgehend, dass er dies nicht hinnehmen werde und kündigte „eine demographische Wiederbewaffnung“ an. Und weiter führte er aus: Unser Frankreich wird auch durch die Wiederbelebung seiner Geburtenrate stärker werden.“
Andere Länder wie China, Russland, Japan, Bulgarien, Ungarn, Italien etc. die die fatalen Auswirkungen des Geburtenmangels längst erkannt haben, haben bereits große Anstrengungen unternommen, um dem Mangel an Nachwuchs mit einer Anreizpolitik für Familiengründungen entgegen zu wirken. All diese Länder wissen, dass hauptsächlich über die Zunahme von Familien die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, Wohlstand und die Selbstbehauptung der Kultur zu gewährleistet sine.
Der wachsende Fachkräftemangel wird sich zur Monsterwelle aufschaukeln
Aufgrund des latent andauernden Nachwuchsmangel von 52 Jahren, leidet Deutschland heute unter dem größten Fachkräftemangel der Welt, denn Kinder, die in dieser langen Periode nicht geboren wurden, können heute keine Fachkräfte sein.
Deshalb ist besagter Personalmangel – der heute schon bedrohliche Ausmaße aufweist -, erst die Ouvertüre. Denn bis 2036 werden laut Statistischen Bundesamt 12,9 Mio. Babyboomer aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ohne ausreichende Zahl junger Nachfolger, weil besagte Babyboomer weitgehend auf Nachwuchs verzichtet haben.
D.h. wir stehen erst am Anfang einer Monsterwelle. Laut Einschätzung der Wirtschaftsweisen vom Herbst 2023, ist der Fachkräftemangel Wachstumshemmnis Nummer eins für die Wirtschaft und in der Folge eine Wohlstands-bremse für Deutschland.
Was ist zu tun?
- Massenmigration kann nicht weiter Ersatz von eigenem Nachwuchs sein!
Eine Politik, die um eine realistische Folgenabschätzung bemüht sein sollte, müsste eigentlich wissen, dass der gewaltige Aderlass an Humankapital nicht einfach durch mehrheitlich kulturfremde Einwanderer (80 Prozent Muslime) mit teils unzureichender Bildungsgrundlagen ersetzt werden kann.
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- Ein neues Familienbild tut not! Es soll die Bevölkerung über die Ziele einer neuen Familienpolitik aufklären, in dessen Mittelpunkt die familien- und staatserhaltenden Effekte des Generationenvertrags stehen muss.
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- Der staatlichen Schutzauftrag für die Familie, formuliert im Artikel 6, Abs. 1. GG. muss in einer entsprechenden Politik umgesetzt werden, die auch die Gewährleistung des Fortbestands der Familie als Ziel verfolgt. Folglich fällt der Familienpolitik die unaufgebbare Aufgabe zu, Anreize für junge Leute zu bieten, Familie zu gründen, bzw. Impulse für eine familienfreundliche Gesellschaft zu setzen.
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- Eine Reform der Familienpolitik ist unerlässlich, die die Sozialisierung der Kinderlasten im Sinne des Familienlastenausgleichs wie dies Wilfried Schreiber und Oswald von Nell-Breuning schon 1955 und 1956 gefordert haben.
- Der euphemistische Begriff ´demographischer Wandel´ der gewollt irreführend ist, soll durch den Gebrauch ´demographische Schrumpfung´ ersetzt werden, um die Dramatik dieser Entwicklung zu verdeutlichen.



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