Leben mit und nach Corona…


Schulabstinenz von einem Jahr - Defizite müssen aufgeholt werden!


Schule ist für uns alle wichtig! Davon sind nicht nur die vielen Eltern überzeugt, die beide vollzeitig erwerbstätig sind und Schule inzwischen als Betreuungseinrichtung schätzen, sondern auch die Wirtschaft, die Schule als Qualifizierungsinstitut zur Bereitstellung von Humanvermögen für alle Berufe versteht oder die Hochschulen, die im Abitur eine Studierfähigkeit voraussetzen müssen. Aber Schule ist zu aller erst für die Schüler von entscheidender Bedeutung, nämlich als Ort der Wissensvermittlung, Persönlichkeitsbildung, der Charakterbildung, als Ort des sozialen Lernens. So gesehen ist Schule der Transmissionsriemen für die Weitergabe von Zivilisation und Kultur. Sie ist der Mikrokosmos unserer Gesellschaft, in dem neben der Wissensvermittlung auch das Miteinander unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprachen und Religionen vermittelt wird.


- Aber was passiert, wenn der Mikrokosmos Schule in Corona-Zeiten gar nicht oder stundenweise oder nur digital stattfindet?

- Wie soll ein Grundschüler in der ersten Klasse über den digitalen Unterricht schreiben lernen, wer sagt ihm, dass er den Schreibstift falsch hält?

- Wie sollen Schüler, für die kein Präsenzunterricht stattfindet und die zuhause kaum Bücher haben und ausschließlich türkische oder arabische Fernsehfilme sehen, Deutsch lernen und sich mit ihren Mitschülern austauschen?

- Wie können soziale Kompetenzen erworben werden, wenn keine gemeinschaftsbildenden Veranstaltungen wie Ausflüge und Projektwochen stattfinden? Wie kann da der Zusammenhalt von Gesellschaft eingeübt werden?

- Wie kann Chancengleichheit angesichts von überforderten Eltern, die ihren Kindern keine Lernhilfen anbieten können, hergestellt werden?


Gerade in Zeiten von Corona muss Schule als Vermittlerin von Tugenden, von Haltung, von Leistungsbereitschaft, Willensstärke und Gestaltungswillen eine Vorbildfunktion übernehmen. Dies geht natürlich nur dann, wenn sie sich nicht nur als Befehlsempfänger der Kultusbehörde begreift, sondern als selbstständig handelnder Akteur, der die Herausforderungen zusammen mit den Eltern und Schülern annimmt. Bei Lichte gesehen gibt es auch herausragende Schulen, mit kreativen und hoch engagierten Lehrern, die diesem Anspruch gerecht werden. Da sind Innovation und Erfindungsreichtum in vielen Schulen anzutreffen, - ich denke da an die Installierung von Luftfilteranlagen – mit dem der Lehrbetrieb aufrechterhalten werden konnte. Aber im Blick auf die Digitalisierung sind wir unseren Anspruch, Vorbild für die Schüler sein zu wollen, bei weitem nicht nachgekommen. Wir haben schlichtweg den für die Vermittlung von Lerninhalten notwendigen Kontakt zu den Schülern verloren. Dadurch konnten über eine Zeit von etwa einem Jahr – nämlich die Zeit vom ersten Lockdown im März 2020 bis hin zu einem geregelten Schultag, den wir frühestens nach Ostern 2021 erleben werden - Wissen, Kompetenzen und Fertigkeiten nicht vermittelt werden.


Dies können wir nicht einfach ignorieren. Hier haben wir gegenüber den Schülern, aber auch gegenüber der Wirtschaft, die auf bestimmte Qualifikationsstandards angewiesen sind, um auch im internationalen Wettbewerb mithalten zu können, eine Verpflichtung, der wir heute schon mit große Dynamik nachkommen müssen. Deshalb ist eine nachholende Entwicklung im Bildungswesen unerlässlich, sei es, dass an Samstagen für ein Jahr lang Schule stattfindet (was die ältere Generation unter uns bereits in den 70 er Jahren erlebt hat) oder Schulunterricht effizienter wird, indem er auf die vielen Leerzeiten und den üblichen Unterrichtsausfall verzichtet. Hier sind für die analoge Schulzeit kreative Ideen im Kultusministerium, in den Kollegien, bei der Elternschaft und von den Schülervertretungen gefragt.

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