Demografische Entwicklung – von wegen Chance!

Prof. Dr. Herwig Birg im Interview mit der Stiftung für Familienwerte 


Herr Professor Birg, in Deutschland ist fast jeden Tag in den Medien von Fachkräftemangel die Rede und es gibt kaum eine Branche, die nicht darüber Klage führt. Von Geburtenmangel als Ursache spricht seltsamerweise niemand. Wie ist das zu erklären?

Deutschland will seinen Fachkräftemangel durch Zuwanderungen aus dem Ausland bekämpfen. Wesentlich kostengünstiger und vernünftiger wäre eine nachhaltige Steigerung der Geburtenrate. Der Abwärtstrend der Geburtenzahl und der Geburtenrate setzt sich seit 2017 weiter fort. Um ihre falsche Politik zu rechtfertigen, gaukeln Politik, Wirtschaft und Medien der Öffentlichkeit vor, dass die seit langem benötigte Demographiepolitik des Teufels wäre, weil sie angeblich etwas mit der zweifellos abschreckenden Bevölkerungspolitik in der Nazizeit zu tun hätte – eine perfide Art von fake news.


Führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben sich 2015 über die massenhafte Einwanderung auch deshalb gefreut, weil sie damit rechneten, mit Asylanten und Migranten die Arbeitskräftelücke schließen zu können? Wie beurteilen sie diese Einschätzung?

Zugewanderte und deren hier geborene Kinder haben eine schulische und berufliche Qualifikation, die im Durchschnitt wesentlich schlechter ist als die der einheimischen Bevölkerung. Obwohl dies längst wissenschaftlich belegt und unbestreitbar ist, versuchen Politik, Wirtschaft und Medien die Fakten systematisch zu verschleiern. Der so entstandene Schaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist irreparabel.


Mit dem neuen Einwanderungsgesetz öffnet sich Deutschland für Fachkräfte aus aller Welt. Ist das die Lösung des Problems?

Der entscheidende Faktor der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist das Niveau der beruflichen, schulischen und universitären Ausbildung der Bevölkerung. Hier war Deutschland einmal führend. Das neue Einwanderungsgesetz wird die weitere Absenkung des Bildungs- und Ausbildungsniveaus nicht stoppen.


In einem jüngst veröffentlichten Aufsatz sprechen Sie von einem starken Anwachsen des Altenquotienten unserer Gesellschaft. Mit welchen Konsequenzen?

In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wird sich die Ruhestandsbevölkerung in Prozent der Erwerbsbevölkerung verdoppeln. Die steigenden Ausgaben der gesetzliche Renten- Kranken- und Pflegeversicherung müssen dann noch stärker durch Steuern mitfinanziert werden. Der größte Teil der Steuereinnahmen wird aber von den Familien mit Kindern entrichtet, die zudem noch die Versorgung der kinderlosen Ruheständler, die selbst keine Beitragszahler erzogen haben, mitfinanzieren müssen. Das Bundesverfassungsgericht sieht darin eine Privilegierung der Kinderlosigkeit bzw. eine Verletzung des Gleichheitsprinzips der Verfassung. Bis heute hat die Politik das entsprechende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Gesetzlichen Pflegeversicherung (2001) und die Forderung, die Privilegierung der Kinderlosigkeit durch Reformen des Sozialversicherungssystems zu beenden, ignoriert.


In Ungarn gibt ist aufgrund einer bevölkerungsorientierten Familienpolitik eine signifikante Steigerung der Geburtenziffer zu beobachten. Würden Sie der Bundesregierung einen ähnlichen Paradigmenwechsel empfehlen?

In Deutschland leben 20 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Nicht alle, aber viele von ihnen leben in prekären Lebensverhältnissen mit integrationsfeindlichen Einstellungen. Bei vielen würde eine Familienpolitik nach ungarischem Muster dazu führen, daß das Kinderhaben zu einem Geschäftsmodell wird. Deutschland müsste wohlüberlegte Instrumente einsetzen, um seine demographie- und familienpolitischen Ziele – wenn es diese hätte - zu erreichen. Aber Deutschland ist ohnehin entschlossen, seinen demographischen Sonderweg - eine Sackgasse - zu Ende zu gehen.


Etwa eine Drei-Kind-Familienpolitik?

Die entscheidende Voraussetzung, dass in einer Familie drei Kinder geboren werden, besteht darin, dass Mann und Frau zuerst den Übergang von der Kinderlosigkeit zur Elternschaft meistern, also ein erstes Kind haben. Das ist die unabdingbare Voraussetzung für das zweite und das dritte Kind. Dieses Ziel ist nur erreichbar, wenn der hohe Anteil der lebenslang kinderlosen Menschen an einem Geburtsjahrgang gesenkt wird. Der Anteil der Kinderlosen an einem Geburtsjahrgang stieg von früher unter 10 Prozent auf jetzt ein Viertel bis ein Drittel – Tendenz steigend.


Wie erklären Sie sich den hohen Anteil von etwa 30 Prozent bei Akademikerinnen, obwohl das Elterngeld auf diese Gruppe abzielt? Eine Fehlinvestition?

Je höher das Qualifikationsniveau der Frauen, desto höher der Anteil der kinderlos bleibenden Frauen an einem Jahrgang. Von den Köchinnen bleiben beispielsweise nur15 Prozent zeitlebens kinderlos, von den Akademikerinnen mehr als 50 Prozent. Der Anteil steigt von Jahrgang zu Jahrgang, und zwar sowohl in den unteren als auch in den oberen Qualifikationsgruppen. Bei kinderlosen Akademikerinnen ist das Elterngeld natürlich wirkungslos. Eine Familienpolitik mit den noch kinderlosen Akademikerinnen als Zielgruppe wäre besonders wichtig, denn ohne eine höhere Geburtenrate bei ersten Kindern kann auch die Zahl zweiter und damit auch dritter Kinder nicht nachhaltig zunehmen.


Herr Prof. Birg, vielen Dank für das Interview!

(Das Interview führte Karl-Heinz B. van Lier, Geschäftsführer der Stiftung für Familienwerte)




Prof. Dr. Herwig Birg

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