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Interview mit Herr Bassi, Präsident der Föderation der katholischen Familienverbände in Europa (FAFCE),



Herr Bassi, Sie sind der Präsident der Föderation der katholischen Familienverbände in Europa (FAFCE), einer Organisation, die 21 der insgesamt 27 EU-Länder vertritt. Erzählen Sie uns bitte ein wenig über FAFCE.


Wir vertreten die Familien in der Europäischen Union in Brüssel und auch im Europarat. Nach dem Fall der Berliner Mauer kamen katholische Familienverbände aus mehreren Ländern Europas zusammen, um eine europäische Plattform zu schaffen.  Österreich, Italien, Frankreich und Deutschland unterzeichneten 1991 eine gemeinsame Charta und gründeten 1994 einen Verband, der sich1997 als Föderation der katholischen Familienverbände in Europa (FAFCE) mit Sitz in Straßburg, Frankreich, formierte. Im Jahr 2001 erkannte der Europarat FAFCE als Nichtregierungsorganisation mit partizipatorischem Status an und ein Jahr später erhielt FAFCE die Genehmigung zur Einreichung von Kollektivklagen im Rahmen der Europäischen Sozialcharta. Heute repräsentieren wir fast alle Länder der EU.


Vor kurzem forderte FAFCE europäische Institutionen und EU-Mitgliedsstaaten auf, auf die psychische Gesundheit der Jugend zu achten. Welches ist zurzeit das größte Problem der Jugend?


Es ist Zeit, das Vertrauen in die Zukunft zu fördern. Der Mangel des Vertrauens hat sehr gefährliche Folgen für die Zukunft der Gesellschaft, wie zum Beispiel der demografische Winter. Wir können die Folgen kaum vermeiden, wenn die Ursachen nicht ermittelt werden. Ich bin der Meinung, dass die Einsamkeit das größte Problem ist, das die Jugend und allgemein die Familien plagen. Probleme gab es schon immer, wirtschaftliche Sorgen und Zukunftsängste.  Aber in dieser Zeit fehlen sehr oft die Netzwerke, die Familien als Gemeinschaft unterstützen, damit die Familien leichter mit den Problemen fertig werden.


Eine Studie, die in diesem Jahr über die Familie in Deutschland gemacht wurde, die INSA-Studie, hat ergeben, dass 39% der jungen Menschen unter 29 Jahren von einem Gefühl der Einsamkeit getroffen sind.  Welche anderen Erscheinungen sehen Sie als gefährlich für die psychische Gesundheit junger Generationen?


Die Instabilität der Familie, und der demografische Winter als Hauptfolge dieser Instabilität, sind wichtige Punkte sowie die Auswirkungen der Digitalisierung, hier besonders das digitalen Suchtverhalten und die Cyber-Gewalt. Auch die Förderung unklarer Konzepte in Bezug auf die so genannte „geschlechterfreie Selbstbestimmung“ und die verbreitete Pornographie im Netz sind gefährliche Entwicklungen, die einer eingehenden Analyse bedürfen und gezielte Handlungen erfordern. 


Die Eltern beobachten diesen negativen Trend, aber fühlen sich oft machtlos.

 Welches wäre Ihrer Meinung nach ein gangbarer Weg, um diesen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken?


Die Förderung der Entwicklung von nationalen Aktionsplänen (NAPs), um Familien, Familiennetzwerke, Verbände und Schulen zu unterstützen. Sehr wichtig ist die Anerkennung der wertvollen Arbeit der Großeltern für das tägliche Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Damit übernehmen sie mit ihrer Lebenserfahrung Verantwortung für die jüngeren Generationen, indem sie ihnen Hoffnung für die Zukunft vermitteln. Wir haben auch gefordert, den Sonntag als einen Tag in der Woche für die gemeinsame Erholung einzurichten und so den familiären und sozialen Zusammenhalt zu fördern. Das hilft allgemein Eltern und Kindern.


Welche Maßnahmen haben Sie gefordert in Bezug auf die Themen Digitalisierung und Verbreitung von Pornographie im Netz?


Wir haben gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Übersexualisierung von Inhalten im Internet und in der Werbung gefordert, insbesondere bei der Darstellung von Kindern. Die EU-Mitgliedstaaten sollen koordiniert arbeiten, um alle Daten über die Produktion von Pornografie und die Konsumtrends von Minderjährigen und Erwachsenen zu sammeln.  Ebenfalls haben wir auf die wichtige Rolle von Sport- und Musikaktivitäten hingewiesen, insbesondere diejenigen mit großer Kinderbeteiligung als vorbeugende Maßnahme.


Herr Bassi, Sie sind seit mehreren Jahren verheiratet und haben drei Kinder. Kann ich auch Ihrer Frau eine Frage stellen?


Natürlich. Gerne.


Liebe Frau Di Lello, als Ehefrau und Mutter, was würden Sie Eltern in dieser besonders schwierigen Zeit, geplagt von Pandemien, Kriegen und verschiedenen Ideologien, raten?


Habt bitte keine Angst! Das rate ich allen Eltern. Trotz hoher Arbeitsbelastung und aller Probleme, die der Alltag mit sich bringt, bleibt bitte zuversichtlich und habt Vertrauen. Im Alltag und im Jetzt entscheidet sich Vieles. Manche Probleme sind sofort weg, wenn zuhause Freude herrscht und alle am gemeinsamen Tisch zu Abend essen können.  Das bietet Schutz und meistens auch viel Freude.


Herr Bassi, wollen Sie noch kurz eine kleine Ermutigung den Familien in Europa zurufen?


Ich rufe alle dazu auf, Netzwerke zu schaffen, damit die Familien sich nicht einsam fühlen müssen. Wir sollten den Wert von Familienverbänden schätzen lernen. Die Schönheit der Familie wieder zu entdecken, ist eine Priorität in diesen Zeiten.

Herzlichen Dank für das Gespräch.



Das Interview führte Andrea Heck, stellv. Vorsitzende der Stiftung für Familienwerte Anfang Mai in Rom.

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