Demographie ist überall - Willkommen im Altenheim

Im Ergebnis fehlen die vor 30 Jahren nicht mehr gezeugten Kinder nicht nur auf den Straßen und Spielplätzen, sondern auch auf dem Arbeits- und Rentenmarkt.

Ein Beitrag von Birgit Kelle in der aktuelen Tagespost-Beilage „Demografie - Von der „Chance zur Krise“.



Hurra, wir sterben aus! - ruft der moderne Klimaaktivist von heute. Galt Kinderlosigkeit über Jahrhunderte als bedauernswertes Schicksal des Menschen, ist heute der demografische Niedergang der deutschen Bevölkerung für viele gar die Lösung eines angeblichen Problems, dessen Formulierung vor 50 Jahren an prominenter Stelle erfolgte.


Damals veröffentlichte der „Club of Rome“ seinen Bericht über „Die Grenzen des Wachstums“ und es war nicht absehbar, wie sich die Ergebnisse der Computersimulation dieses 17-köpfigen Expertenteams unter der Leitung des Ökonomen Dennis Meadows innerhalb der weltweiten Politik verankern würden. Heute kann man sagen, dass sich vor allem das prognostizierte Katastrophenszenario der Überbevölkerung, die man unbedingt verhindern muss, weitläufig als unfehlbares Dogma innerhalb der westlichen Wohlstandsgesellschaften durchgesetzt hat.

Oder kommt der zur Rettung der Erde moralisch unterfütterte Kinderverzicht nur dem wachsenden Hedonismus einer übersättigten, überbehüteten und gleichzeitig unterforderten Generation entgegen, die zwar keine Mühe beim Bodyshaping im örtlichen Fitnesscenter scheut, sich aber überfordert fühlt, Beziehungen einzugehen, Familien zu gründen und Kinder großzuziehen?


Längst hat sich jedenfalls die damals skizzierte Kausalkette Überbevölkerung-Unterernährung-Ressourcenknappheit-Umweltschäden-menschgemachter-Klimawandel als angeblich unabwendbare Apokalypse in den Köpfen vieler Politiker und inzwischen auch weiten Teilen der Medien festgesetzt. Da hilft es auch nichts, dass Elon Musk kürzlich öffentlich das Panik-Szenario des Club of Rome anzweifelte, das eigentliche Problem sei eher eine Implosion der Menschheit, eine „alternde und schrumpfende Weltbevölkerung“.

Im Ergebnis fehlen die vor 30 Jahren nicht mehr gezeugten Kinder nicht nur auf den Straßen und Spielplätzen, sondern auch auf dem Arbeits- und Rentenmarkt.

Setzt man die Prämisse eines Zuviels des Faktors „Mensch“ auf dem Planeten als Motor des politisch Handelnden voraus, ergeben viele Maßnahmen plötzlich Sinn und System für den großen Plan der Weltenrettung.


Dann macht es Sinn, den demografischen Niedergang nicht zu verhindern, sondern nur sozialverträglich zu verwalten. Wer das Aussterben der Menschheit zur Lösung erklärt, dem steht schließlich Tatenlosigkeit gut an. Wer will da noch die Geburtenrate erhöhen?


Wo es zu viele Menschen gibt, muss man sie nur auf der Erde anders verteilen. Zuwanderung von Bevölkerung aus anderen Teilen der Erde, statt Zeugung eigener Kinder ist in dieser Logik richtig.


Die Abtreibung zu forcieren und zu legalisieren und die Euthanasie juristisch möglich zu machen, ist in dieser Logik konsequent: CO2-Verbrauch vermindern, indem weniger Menschen und diese auch noch kürzer leben.


Weltweiter Sexualkundeunterricht nach dem vorgeschlagenen Schema der WHO bereits ab Kindergarten, der inhaltlich auf Vermeidung und Abbruch von Schwangerschaften – also die Vermeidung des Problems „Kind“ – ausgerichtet ist, passt so auch.

Entwicklungshilfe in der 3. Welt, die Verhütungsmittel und Abtreibung im Kontext der „reproduktiven Gesundheit“ im Gepäck hat, ist damit nicht nur logisch, sondern gar geboten.

Die Ampel-Koalition hat entsprechend als familienpolitisches Programm rein gar nichts für die Durchschnitts-Beziehung aus Mann und Frau anzubieten, die über Kinder nachdenkt. Die einzige Initiative, um das Kinderkriegen zu unterstützen konzentriert sich stattdessen ausgerechnet auf jene Bevölkerungsgruppen, die in ihrer Lebens- und Paarkonstellation auf natürlichem Weg niemals Kinder bekommen könnten: Singles, Lesben und Schwule. Wer sich nicht selbst befruchten kann, gilt als benachteiligt und bekommt nicht etwa wegen des demografischen Niedergangs, sondern wegen seines diskriminierten Zustandes eine künstliche Befruchtung bezahlt, während das schwule Paar nach legaler Gebärdienstleisterin ruft.

Kinderkriegen wird damit zur medizinisch-kostspieligen, aber natürlich kassenfinanzierten Leistung, die bei LGBT-Aktivisten gesellschaftlich gewollt ist, während die heteronormative Großfamilie mit drei selbstgezeugten Kindern unter Generalverdacht des Asozialen steht. Der moderne Mensch hat Liebe, Beziehung, Sexualität und Fortpflanzung längst voneinander entkoppelt und in Dienstleistungen und „Reproduktionsarbeit“ umgewandelt, er lässt sich künstlich besamen, lässt fremde Frauen brüten und gebären, lässt kranke Kinder aussortieren und plant die Fortpflanzung genauso akkurat, wie seinen Aktienfond.

Die Gehirnwäsche der nächsten Generation funktioniert bereits prächtig. Fridays For Future schwänzt Schule für das Klima und gerade kleben sich unverdrossen die Klima-Aktivisten-Kinder der „Letzten Generation“ in Berlin, Frankfurt und anderen Städten zur Behinderung des Verkehrs auf die Straße. Die Rettung des Planeten erfolgt in ihrer Rhetorik nicht mit Hilfe sondern durch die Befreiung des Planeten vom Menschen. Nachhaltigkeit ist menschenfrei, was man langfristig nur mit „kinderfrei“ bewerkstelligen.


In der Großstadt hat man derweil jetzt Katze statt Kind. Die Zahl der Haustiere steigt kontinuierlich an, allein während der Pandemie um eine Million auf inzwischen fast 35 Millionen Tiere. Die klassische berufstätige Frau im heiratsfähigen Alter ist heute nicht nur weiblich, ledig, jung, sie besitzt auch eine Katze gegen die Einsamkeit der schicken, aber abends stillen, weil leeren Wohnung. Der Mann neigt im selben Alter tendenziell eher zum Hund. Er ist treu, widerspricht nicht und ist somit der ideale Lebenspartner. Außerdem lässt er ihn auch auf Online-Dating-Portalen für Frauen sympathisch und naturnah wirken.

Der deutsche Heimtiermarkt ist zu einem der größten Absatzmärkte Europas avanciert, das Fernsehen verkauft Krankenversicherungen für Haustiere, Hundetrainer verkaufen Bestseller zur Hundeerziehung und erklären in neuen TV-Sendeformaten überforderten Besitzern, wie man Beziehungen zum Tier aufbaut. Niemand erklärt ihnen, wie man das mit gleichaltrigen Menschen tut. Jugendliche halten Kuppel-Shows à la „Bachelor“ und „Love Island“ für Formate, die zu romantischem Hochzeitsfinale führen und wundern sich gleichzeitig über das Scheitern von One-Night-Stands.
















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